Das Sommerloch kommt einen Monat zu spät
Im Juli war vom Sommerloch nichts zu sehen. Im August ist es da. Zwischen dem
- und 25. August wurden 48.360 Bekanntmachungen veröffentlicht, im gleichen Juli-Zeitraum waren es 58.886. Das sind 10.526 Dokumente oder 17,9 Prozent weniger.
Ein Teil davon ist Kalender. Der August-Zeitraum enthält 17 Werktage, der Juli-Zeitraum 18. Je Werktag gerechnet stehen 2.565 Bekanntmachungen gegen 3.007 im Juli, ein Rückgang von 14,7 Prozent. Der Kalender erklärt also rund ein Fünftel des Abstands, nicht mehr.
Damit ist es der stärkste Rückgang des Jahres: Der bisher größte Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Monaten lag im Mai bei 12,8 Prozent gegenüber April. Absolut bleibt der August trotzdem über dem Mai mit 46.950 Dokumenten und liegt auf Platz vier der bisherigen 25-Tage-Fenster dieses Jahres.
Der Rückgang zieht sich durch alle Dokumentarten
Ausschreibungen fielen von 33.936 auf 28.484 Dokumente, ein Minus von 16,1 Prozent. Zuschläge gingen von 21.847 auf 17.645 zurück (-19,2 Prozent). Am stärksten verlieren Vorinformationen: 2.031 nach 2.806, ein Rückgang von 27,6 Prozent.
Vorinformationen kündigen Verfahren an, die erst noch kommen. Dass gerade sie am deutlichsten nachgeben, spricht dafür, dass der August nicht nur eine Verschiebung im Veröffentlichungsrhythmus ist, sondern auch die Pipeline der kommenden Wochen dünner ausfällt.
Der Bau verliert am stärksten, aber nicht überall
12.641 August-Bekanntmachungen trugen mindestens eine Bau-Klassifikation, im Juli-Vergleich waren es 18.287. Das sind 30,9 Prozent weniger und damit deutlich mehr, als der Gesamtmarkt verliert.
Innerhalb des Baus verläuft der Rückgang aber sehr ungleich. Dacharbeiten (-42,7 Prozent), Fenster und Türen (-40,8 Prozent), TGA-Planung (-38,6 Prozent), Elektroinstallation (-37,2 Prozent) und Architektur (-37,1 Prozent) fallen weit überdurchschnittlich. Der Tiefbau hält dagegen: Pflasterarbeiten legen auf 1.013 Dokumente zu (+4,5 Prozent), Erdarbeiten geben nur 6,8 Prozent nach, Abbruch 8,2 Prozent, Leitungsbau 12,1 Prozent.
Was im August weiterläuft, ist die Arbeit im Freien. Was pausiert, sind Planung, Ausbau und Gebäudehülle.
Die Themenabdeckung ist dabei gesunken und muss mitgelesen werden. 64,5 Prozent der August-Dokumente tragen mindestens ein Thema, im Juli-Vergleich waren es 72,6 Prozent. Ein Teil des Rückgangs ist damit Klassifikation und nicht Markt. Gemessen am Anteil der klassifizierten Dokumente fällt der Bau nur von 42,8 auf 40,5 Prozent.
Bayern hält, der Osten bricht ein
Regional ist der Rückgang extrem ungleich verteilt. Bayern verliert 2,3 Prozent (4.415 nach 4.518), Baden-Württemberg 2,0 Prozent (3.550 nach 3.622). Beide liegen praktisch auf Juli-Niveau.
Am anderen Ende stehen Osten und Norden: Brandenburg -43,6 Prozent (990 nach 1.756), Sachsen -40,9 Prozent (1.649 nach 2.791), Thüringen -40,4 Prozent (514 nach 863), Niedersachsen -39,6 Prozent (2.081 nach 3.443). Nordrhein-Westfalen, das größte Bundesland im Korpus, verliert 28,0 Prozent (5.027 nach 6.978).
Sachsen war im Bericht des Vormonats der stärkste Aufsteiger mit plus 58,4 Prozent und ist einen Monat später einer der stärksten Verlierer. Monatswerte einzelner Länder schwanken stark, weil einzelne Stellen sie bewegen: Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement veröffentlichte im Juli-Zeitraum 1.031 Dokumente und im August 522. Diese eine Stelle erklärt damit 509 der 1.142 Dokumente, die Sachsen verliert.
Auch hier gilt die Abdeckung: 27.235 der 48.360 August-Dokumente lassen sich mindestens einem Bundesland zuordnen, das entspricht 56,3 Prozent. Im Juli-Vergleich waren es 59,9 Prozent. Eine Bekanntmachung mit Ausführungsorten in mehreren Ländern zählt in jedem davon einmal. Das ist keine Leistungsrangliste der Länder.
Was im August wächst
Drei der 25 Sektoren liegen über ihrem Juli-Wert, und alle drei sind Dienstleistungen: Personal & Recruiting steigt auf 325 Bekanntmachungen nach 268 (plus 21,3 Prozent), Consulting auf 630 nach 536 (plus 17,5 Prozent), Recht & Wirtschaftsprüfung auf 163 nach 159 (plus 2,5 Prozent). Innerhalb von Consulting trägt das Thema Unternehmensberatung den Zuwachs: 545 Bekanntmachungen nach 454, ein Plus von 20,0 Prozent.
Absolut sind das kleine Sektoren. Zusammen kommen sie auf 1.118 Dokumente, gegenüber 12.641 allein im Bau. Der August verschiebt den Markt also nicht, er dünnt ihn ungleichmäßig aus.
Die Schülerbeförderung, im Vormonatsbericht mit plus 104,7 Prozent der auffälligste Aufsteiger, fällt auf 130 Bekanntmachungen nach 516, ein Minus von 74,8 Prozent. Der Ausschreibungszyklus für das kommende Schuljahr lief im Juli; das erklärt den Ausschlag plausibel, prüfen lässt es sich an diesem Korpus nicht, weil die Vorjahresdaten für einen Saisonvergleich zu dünn sind.
Methodik und Grenzen
Die Zahlen sind ein historischer Snapshot vom 28. August 2026 und umfassen Veröffentlichungen vom 1. bis einschließlich 25. August. Verglichen wird mit dem gleichen Kalenderzeitraum im Juli. Monatsgrenzen und Veröffentlichungstage werden in der Zeitzone Europe/Berlin gelesen.
Der Juli-Vergleichswert wurde für diesen Bericht neu gelesen und liegt bei 58.886 Dokumenten. Der Bericht des Vormonats nannte 58.361, gemessen am Snapshot vom 26. Juli; die Differenz sind nachträglich eingegangene Dokumente. Beide Snapshots bleiben unverändert, keiner wird rückwirkend angepasst.
Gezählt werden Bekanntmachungsdokumente, keine Verfahren und keine Auftragswerte. Als Ausschreibungen zählen Bekanntmachungen, die zur Angebotsabgabe auffordern, als Zuschläge solche, die einen erteilten Auftrag melden, als Vorinformationen solche, die ein noch nicht eröffnetes Verfahren ankündigen.
Zwei Prüfungen stützen den Rückgang. Er verteilt sich über den ganzen Korpus: Der größte Veröffentlicher stellt 1,75 Prozent des Juli-Zeitraums, und die stärkste Einzelbewegung einer Stelle erklärt 509 der 10.526 fehlenden Dokumente. Und er ist kein Nachlauf der Erfassung: Der 26. und 27. August liegen mit 2.822 und 2.620 Dokumenten auf normalem Werktagsniveau.
Fehlende Themen- und Ortsangaben werden nicht geschätzt. Themen und Ausführungsorte können sich überschneiden, eine Bekanntmachung kann mehrere Themen tragen. Der Snapshot bleibt unverändert, auch wenn später weitere Dokumente mit einem August-Veröffentlichungsdatum in den Korpus kommen.